Bericht aus DLZ 10/99

DLZ agrarmagazin

Pfluglos, minimal, ideal?

Erfahrungen aus Rheinland-Pfalz mit reduzierter Bodenbearbeitung

Der Eine schwört auf den Pflug, der Andere lockert tief und wendet den Boden nicht und der Dritte sät direkt in die Stoppeln. Was Ackerbauern aus Rheinland-Pfalz über konservierende Bodenbearbeitung und Direktsaat denken und welches Verfahren aus welchen Gründen je nach Standort die meisten Vorzüge bietet, fasst Ingo Scheid, Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt in Bad Kreuznach zusammen.

Grundsätzlich lässt sich konservierende Bodenbearbeitung unabhängig von den eingesetzten Maschinen in zwei unterschiedliche Systeme unterscheiden. Im Gegensatz zur jährlich wendenden Bearbeitung mit dem Pflug ist das zum einen die nichtwendende Tiefenlockerung mit Grubber oder Scheibenegge, etwa von Güttler, Köckerling oder Horsch und zum anderen die Saat direkt in die Stoppel, etwa mit John Deere oder Köckerling direkt. Hier dreijährige Erfahrungen aus einem Praxisversuch.


Der Versuch in Kürze

Der Standort: Bad Sobernheim, Betrieb Jan und Friedhelm Dietrich, sandiger Lehmboden, 56 BP 160 m über NN, durchschnittlich rund 520 mm Niederschläge, Weizensaat 15. 10. 1996, Sorte Rialto, 450 Kö/m2, Vorfrucht Weizen, Stroh blieb gchäckselt auf dem Feld, Winterraps-Saat 21. 8. 1997, Sorte Lisbeth, 70 Kö/m2, 1998 Weizen, Sorte Charger, 400 Kö/m2.

Die Verfahren: Primasem von Güttler, AT 300 von Köckerling, Direktsämaschine 750 A von John Deere, Fräs-Saat mit Unirotor von Massano, DS/D3 von Horsch und betriebsübliches Verfahren mit Pflug.

Die Ziele: die Geräte über mehrere Jahre auf derselben Parzelle in der betriebsüblichen Fruchtfolge einsetzen und die pflanzenbaulichen Veränderungen der Teilparzellen beobachten. Bezuschusst wurde das Projekt über das Nahe-Programm des Landes Rheinland-Pfalz zur Förderung des Hochwasser-Schutzes.

Saatbettqualität: 1996 und 1997 wurde die Aussaat unter sehr trockenen Bedingungen durchgeführt. Das verlangte besonders von den zapfwellengetriebenen Geräten einen hohen Kraftbedarf. Zudem mussten die Maschinen mit einer hohen Strohmenge zurechtkommen. Aufgrund der Trockenheit fand noch keine Verrottung statt. Auch waren die Stoppeln für eine pfluglose Bewirtschaftung zu lang. 1998 hingegen fand die Saat unter sehr feuchten Bedingungen statt. Die konventionelle Variante konnte aufgrund der extremen Bedingungen erst zwei Tage später gedrillt werden. Das Horsch-Gerät stand uns ebenfalls erst zwei Tage später zur Verfügung. Anhand der Auflaufzahlen wird ersichtlich: im ersten Jahr brachte das konventionelle Verfahren klare Vorteile. In den nächsten Jahren konnte diese Aussage jedoch nicht mehr bestätigt werden. 1999 hatte die Maschine von John Deere Probleme, die Säschlitze wieder zuzustreifen: die Körner wurden schlecht in Erde eingebettet. So erklärt sich das schlechte Auflaufen in diesem Jahr. Die Direktsämaschine brachte aber immer die genaueste Tiefenablage. Auch Konventionell und Prismasem schnitten unter diesem Gesichtspunkt gut ab.

Stickstoffmineralisation: Hier konnten keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Verfahren festgestellt werden. Im Herbst und im Frühjahr wurden N min-Proben gezogen.

Problem Mäuse: Ein weiteres Problem pflugloser Bewirtschaftung sind Mäuse. Sie führten im Raps 1998 zu einigen Fehlstellen, konnten aber durch das Aufstellen von Sitzstangen für Greifvögel kontrolliert werden...

Unkrautflora: Auch die Unkrautflora hat sich bis jetzt noch nicht wesentlich verändert, außer in den Direktsaat-Varianten. Die Leitunkräuter über die gesamte Fläche sind Klettenlabkraut und Windhalm. Bei den Direksaaten ist die Trespe auf dem Vormarsch. Obwohl im Raps eine Gräserbekämpfung durchgeführt wurde, die Flächen im Herbst mit Roundup Ultra behandelt worden sind und im Frühjahr das neue Gräsermittel von Monsanto namens Monitor eingesetzt worden war, ließ sich die Trespe in der John Deere-Parzelle nicht ausreichend kontrollieren. Bei der Frühjahrsausbringung waren die Ungräser schon zu weit in der Entwicklung fortgeschritten. Im Herbst hätte die Aufwandmenge von Roundup Ultra von 3 auf 5 l/ha erhöht werden müssen.
Generell mußte durch reduzierte Bodenbearbeitung der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht erhöht werden. Im Raps konnte sogar auf eine Unkrautbekämpfung ganz verzichtet werden. Lediglich das Ausfallgetreide wurde mit Targa Super in Kombination mit der Stengelrüssler-Bekämpfung im Frühjahr regulierte. KonventionelI wurde Elancolan K in Vorsaat-Einarbeitung eingesetzt. Im Winterweizen wurde außer in der John Deere-Parzelle die glelchen Mittel verwendet wie Konventionell. Aufgrund des Roundup Einsatzes in der Direktsaat und der Tatsache, dass anschließend keine Bodenbearbeitung stattfindet, wurde hier bis zum Auftreten der Trespen eine wesentlich geringere Verunkrautung verzeichnet.

Bodenwasser/Bodenleben: Bel Untersuchungen im Frühjahr 1999 stellten wir einen etwas höheren Wasseranteil bei den reduzierten Verfahren in 30 bis 60 cm und 60 bis 90 cm Bodentiefe fest. Eine deutliche Zunahne der Regenwürmer war bei den reduzierten Verfahren zu beobachten. Je geringer der Eingriff war, um so mehr Bodenbewohner ließen sich beobachten.

Erträge: Bei der Interpretation der Ertragsergebnisse muß berücksichtigt werden, daß in Großparzellen mit einem hohen Versuchsfehler zu rechnen ist. Klar feststellen kann man jedoch, dass das konventionelle Verfahren den anderen Varianten im ersten Jahr überlegcn war. Im zweiten Jahr beim Raps konnten jedoch keine deutlichen Unterschiede mehr festgestellt werden. Das dritte Jahr zeigt, dass lediglich die Direktsaaten gewisse Nachteile haben, eine reduzierte Bodenbearbeitung jedoch gegenüber Konventionell die gleichen Erträge bringen kann.

Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit, Arbeitsqualität: Beurteilt man die Verfahren nun nach diesen Gesichtspunkten so läßt sich aus der dreijährigen Erfahrung folgendes sagen: Direktsaaten sind sehr zeitextensiv, bergen jedoch ein hohes Risiko. Für extreme Erosionslagen können sie eine Lösung sein. Für Mitteleuropa mit seinen Hochertragsregionen ist dieses Verfahren keine Alternative, um Kosten zu senken. So verkauft die Firma John Deere die 750 A auch nicht mehr als Direktsämaschine, sondern als Allround-Gerät. Dazu ist sie auch sehr gut geeignet. In unserem Projekt werden wir sie mit einmaliger Bodenbearbeitung weiter testen.
Die Verfahren mit nichtwendender Bodenbearbeitung bringen bei gleichem Ertragsniveau arbeitswirtschaftliche Vorteile. Die auf der Oberfläche verbleibende Mulchschicht bietet guten Schutz gegen Erosion. Das Bodenleben wird weniger gestört, was der Bodengesundheit zugute kommt, und die Böden werden tragfähiger. Ratsam ist es, solche Verfahren, gerade bei unzureichendem Strohmanagement, nicht mit Getreide nach Getreide zu beginnen. Hier ist mit Ertrageinbußen zu rechnen. Welches Verfahren am meisten lohnt, muß individuell je nach Fruchtfolge, Bodenarten, vorhandenen Maschinen, und Arbeitskapazitäten entschieden werden. (kb)

dlz



Die eingesetzten Bestellverfahren und Systeme im Vergleich

PrismaSem, Güttler:
Prismenwalzen tauchen senkrecht in den Boden ein, rühren dort kurz, horizontal und werden wieder senkrecht herausgezogen. Dadurch entsteht ein gleichmäßig rückverfestigter Saathorizont. Eine Besonderheit, die Räumspinne, sorgt für verstopfungsfreees Arbeitcn. Zur Sekundärbearheitung dient eine Kreiselegge. Zusätzlich im Frontanbau wurde der Garopakt eingesetzt, eine Kombination aus Kurzgrubber und zwei Prismenwalzen.

AT 300, Köckerling:
Das Gerät benötigt keine Zapfwelle. Einzeln in Parallelogramme aufgehängte Schneidstützwalzen durchschneiden Stroh und Erntereste und halten die Säschare in der eingestellten Tiefe. Die Saatgutablage erfolgt in Breitsaat. Das wirkt sich sehr vorteilhaft auf den Standraum der Einzelpflanze aus. Blattfeder-Nivilatoren ebnen den Boden und bedecken das Saatgut. Eine nachlaufende Packerwalze rückverfestigt das Saatbett.

Direktsämaschine John Deere 750 A:
Ohne jegliche Bearbeitung schneiden Scheibenschare einen Schlitz in den Boden. Die Saatgut wird luftunterstützt zu den Scharen gefördert. Eine Tiefenführungsrollesr mißt die eingestellte Saattiefe. Das Saatgut wird vom Antriebsrad mit dem feuchten Boden in Berührung gebracht und anschließend von einer Zustreichrolle mit Erde abgedeckt. Über einen Hydraulikzylinder lässt sich auf die Scheiben ein Druck von bis zu 150 kg ausüben.

Fräs-Saat, Massano:
Der Unirotor eignet sich für Frässaten mit und ohne Tiefenlockerung. Das Gerät war mit abgewinkeltcn Messerscharen ausgestattet. Als Alternative ist ein Fräse mit Meißeln auf dem Markt. Messer hinterlassen eine bessere Bodenstruktur. Auf steinigen Böden nützen sich die Meißel nicht so stark ab. Zur Tiefenlockerung lassen sich Deltaschare vorbauen. Die brechen den Boden in der gewünschten Tiefe auf und hebcn ihn leicht an.

Frässaat, Horsch DS/D3:
Die Doppelscheiben-Scharmaschine ist ein gezogenes Gerät ohne Zapfwllenantrieb. Die Sekundärbearbeitung erledigt eine zweibalkig angeordnete Spatenrollegge. Der Reifenpacker rückverfestigt die bearbeitete Fläche. Bei ausgehobenen Werkzeugen dient er zum Transport. Die Doppelscheibenschare sind in zwei Reihen angeordnet, werden unabhängig voneinander geführt und passen sich Unebenheiten von plus/minus 10 cm aufgrund ihrer Druckfederung an.

Betriebsübliche Variante mit Grubber und Pflug:
Die von der Betriebsgemeinschaft Jan und Friedhelm Dietrich bewirtschaftete Parzelle wurde zunächst mit dem Flügelschargrubber konventionell bearbeitet und anschließend gepflügt (vgl. dlz 3/97, S. 38). Die Saatbettbereitung erfolgte mit dem Lemken Kompaktor. Die anschließende Aussaat wurde durch eine mit Prismenwalzcn ausgestatteten Drillmaschine ausgeführt.

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Versuch Bad Sobernheim: Erträge im Vergleich