Pfluglos,
minimal, ideal?
Erfahrungen
aus Rheinland-Pfalz mit reduzierter Bodenbearbeitung
Der
Eine schwört auf den Pflug, der Andere lockert tief und wendet den
Boden nicht und der Dritte sät direkt in die Stoppeln. Was
Ackerbauern aus Rheinland-Pfalz über konservierende
Bodenbearbeitung und Direktsaat denken und welches Verfahren aus
welchen Gründen je nach Standort die meisten Vorzüge bietet,
fasst Ingo Scheid, Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt in Bad
Kreuznach zusammen.
Grundsätzlich
lässt sich konservierende Bodenbearbeitung unabhängig von den
eingesetzten Maschinen in zwei unterschiedliche Systeme unterscheiden.
Im Gegensatz zur jährlich wendenden Bearbeitung mit dem Pflug ist
das zum einen die nichtwendende Tiefenlockerung mit Grubber oder
Scheibenegge, etwa von Güttler, Köckerling oder Horsch und
zum anderen die Saat direkt in die Stoppel, etwa mit John Deere oder
Köckerling direkt. Hier dreijährige Erfahrungen aus einem
Praxisversuch.
Generell mußte durch reduzierte Bodenbearbeitung der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht erhöht werden. Im Raps konnte sogar auf eine Unkrautbekämpfung ganz verzichtet werden. Lediglich das Ausfallgetreide wurde mit Targa Super in Kombination mit der Stengelrüssler-Bekämpfung im Frühjahr regulierte. KonventionelI wurde Elancolan K in Vorsaat-Einarbeitung eingesetzt. Im Winterweizen wurde außer in der John Deere-Parzelle die glelchen Mittel verwendet wie Konventionell. Aufgrund des Roundup Einsatzes in der Direktsaat und der Tatsache, dass anschließend keine Bodenbearbeitung stattfindet, wurde hier bis zum Auftreten der Trespen eine wesentlich geringere Verunkrautung verzeichnet. Bodenwasser/Bodenleben: Bel Untersuchungen im Frühjahr 1999 stellten wir einen etwas höheren Wasseranteil bei den reduzierten Verfahren in 30 bis 60 cm und 60 bis 90 cm Bodentiefe fest. Eine deutliche Zunahne der Regenwürmer war bei den reduzierten Verfahren zu beobachten. Je geringer der Eingriff war, um so mehr Bodenbewohner ließen sich beobachten. Erträge: Bei der Interpretation der Ertragsergebnisse muß berücksichtigt werden, daß in Großparzellen mit einem hohen Versuchsfehler zu rechnen ist. Klar feststellen kann man jedoch, dass das konventionelle Verfahren den anderen Varianten im ersten Jahr überlegcn war. Im zweiten Jahr beim Raps konnten jedoch keine deutlichen Unterschiede mehr festgestellt werden. Das dritte Jahr zeigt, dass lediglich die Direktsaaten gewisse Nachteile haben, eine reduzierte Bodenbearbeitung jedoch gegenüber Konventionell die gleichen Erträge bringen kann. Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit, Arbeitsqualität: Beurteilt man die Verfahren nun nach diesen Gesichtspunkten so läßt sich aus der dreijährigen Erfahrung folgendes sagen: Direktsaaten sind sehr zeitextensiv, bergen jedoch ein hohes Risiko. Für extreme Erosionslagen können sie eine Lösung sein. Für Mitteleuropa mit seinen Hochertragsregionen ist dieses Verfahren keine Alternative, um Kosten zu senken. So verkauft die Firma John Deere die 750 A auch nicht mehr als Direktsämaschine, sondern als Allround-Gerät. Dazu ist sie auch sehr gut geeignet. In unserem Projekt werden wir sie mit einmaliger Bodenbearbeitung weiter testen. Die Verfahren mit nichtwendender Bodenbearbeitung bringen bei gleichem Ertragsniveau arbeitswirtschaftliche Vorteile. Die auf der Oberfläche verbleibende Mulchschicht bietet guten Schutz gegen Erosion. Das Bodenleben wird weniger gestört, was der Bodengesundheit zugute kommt, und die Böden werden tragfähiger. Ratsam ist es, solche Verfahren, gerade bei unzureichendem Strohmanagement, nicht mit Getreide nach Getreide zu beginnen. Hier ist mit Ertrageinbußen zu rechnen. Welches Verfahren am meisten lohnt, muß individuell je nach Fruchtfolge, Bodenarten, vorhandenen Maschinen, und Arbeitskapazitäten entschieden werden. (kb) dlz |
| Die
eingesetzten Bestellverfahren und Systeme im Vergleich
PrismaSem,
Güttler: Prismenwalzen tauchen senkrecht in den Boden ein, rühren dort kurz, horizontal und werden wieder senkrecht herausgezogen. Dadurch entsteht ein gleichmäßig rückverfestigter Saathorizont. Eine Besonderheit, die Räumspinne, sorgt für verstopfungsfreees Arbeitcn. Zur Sekundärbearheitung dient eine Kreiselegge. Zusätzlich im Frontanbau wurde der Garopakt eingesetzt, eine Kombination aus Kurzgrubber und zwei Prismenwalzen. AT 300, Köckerling: Das Gerät benötigt keine Zapfwelle. Einzeln in Parallelogramme aufgehängte Schneidstützwalzen durchschneiden Stroh und Erntereste und halten die Säschare in der eingestellten Tiefe. Die Saatgutablage erfolgt in Breitsaat. Das wirkt sich sehr vorteilhaft auf den Standraum der Einzelpflanze aus. Blattfeder-Nivilatoren ebnen den Boden und bedecken das Saatgut. Eine nachlaufende Packerwalze rückverfestigt das Saatbett. Direktsämaschine John Deere 750 A: Ohne jegliche Bearbeitung schneiden Scheibenschare einen Schlitz in den Boden. Die Saatgut wird luftunterstützt zu den Scharen gefördert. Eine Tiefenführungsrollesr mißt die eingestellte Saattiefe. Das Saatgut wird vom Antriebsrad mit dem feuchten Boden in Berührung gebracht und anschließend von einer Zustreichrolle mit Erde abgedeckt. Über einen Hydraulikzylinder lässt sich auf die Scheiben ein Druck von bis zu 150 kg ausüben. Fräs-Saat, Massano: Der Unirotor eignet sich für Frässaten mit und ohne Tiefenlockerung. Das Gerät war mit abgewinkeltcn Messerscharen ausgestattet. Als Alternative ist ein Fräse mit Meißeln auf dem Markt. Messer hinterlassen eine bessere Bodenstruktur. Auf steinigen Böden nützen sich die Meißel nicht so stark ab. Zur Tiefenlockerung lassen sich Deltaschare vorbauen. Die brechen den Boden in der gewünschten Tiefe auf und hebcn ihn leicht an. Frässaat, Horsch DS/D3: Die Doppelscheiben-Scharmaschine ist ein gezogenes Gerät ohne Zapfwllenantrieb. Die Sekundärbearbeitung erledigt eine zweibalkig angeordnete Spatenrollegge. Der Reifenpacker rückverfestigt die bearbeitete Fläche. Bei ausgehobenen Werkzeugen dient er zum Transport. Die Doppelscheibenschare sind in zwei Reihen angeordnet, werden unabhängig voneinander geführt und passen sich Unebenheiten von plus/minus 10 cm aufgrund ihrer Druckfederung an. Betriebsübliche Variante mit Grubber und Pflug: Die von der Betriebsgemeinschaft Jan und Friedhelm Dietrich bewirtschaftete Parzelle wurde zunächst mit dem Flügelschargrubber konventionell bearbeitet und anschließend gepflügt (vgl. dlz 3/97, S. 38). Die Saatbettbereitung erfolgte mit dem Lemken Kompaktor. Die anschließende Aussaat wurde durch eine mit Prismenwalzcn ausgestatteten Drillmaschine ausgeführt. - is - |

